Uralt - aber überhaupt nicht von gestern

 

Premiere im Grönegau: Am “Fachwerk 1775” wurde mit
und auf Lehm gebaut

Lehm

Lehm und Stroh - die Maurer am “Fachwerk 1775” in Wellingholzhausen hantierten mit keinen anderen Materialien als die Erbauer des alten Denkmals vor knapp zweieinhalb Jahrhunderten auch. Trotzdem ist es heute ein ungleich komfortableres Arbeiten. Moderne Produkte machen den guten alten Lehm wieder salonfähig.

 

Sanierung mit Material wie anno dazumal? Mit “Schmöttke“, wie der Grönegauer so schön sagt? Zugegeben: Mit einer gewissen Portion Skepsis machten sich die Ehrenamtlichen des Heimatvereins Wellingholz-hausen an die Arbeit, die Gefache des alten Wirtschafts-gebäudes am ehemaligen Hotel Möller mit Lehmsteinen auszumauern. Doch bald waren die Handwerker ganz angetan.

 

Die luftgetrockneten Steine sind nämlich angenehm leicht. Der Mörtel, der ebenfalls nur aus Lehm, Stroh-schnitzeln und einem Schuss Wasser besteht, ist im Vergleich zum sonst üblichen Kalkzement geradezu sanft zur Haut und gleitet gut von der Kelle. “Und Schutthaufen sucht man hierbei vergebens”, sagt Heinrich Ahringhoff. Der Grund: Hier splittert kein Stein, wenn er mit einem gekonnten Hammerschlag passend geklopft wird. Jeder Rest wird verwertet.

 

Mit dem Flechtwerk aus Stroh, Holz und Lehm, wie es noch vor einigen Monaten aus den Gefachen des historischen Gebäudes geschlagen wurde, hat das Arbeiten mit Lehm heutzutage also nichts mehr zu tun. Niemand muss wie früher trockenen, krümeligen Lehm einsumpfen und stundenlang mit Füßen durchkneten. Längst gibt es komfortable Fertigprodukte aus dem authentischen Baumaterial der Vergangenheit. Lehm zeigt dabei Eigenschaften, die alles andere als von gestern sind: “Er bindet Gerüche und Schadstoffe, reguliert die Luft-feuchtigkeit und optimiert damit das spätere Raumklima”, erläutert Alexandra Schmitt vom Baustoffunternehmen “Conluto” im lippischen Blomberg.

 

Darüber, dass der Förderkreis “Fachwerk 1775” die Tradition von Lehm wieder aufgreift, freut sich auch die Denkmalbeauftragte der Stadt Melle, Inge Bredemeier. Im Grönegau sei das leider bislang ein Einzelfall. “Viele Bauherren verbinden mit Lehm nur den Gedanken an Dreck im Garten.” Die Diplom-Ingenieurin bedauert, dass die bauphysikalischen und ökologischen Vorteile des alten Baustoffs immer noch verkannt werden. “Dabei bietet es sich gerade bei der Altbausanierung an, dieses natürliche Material zu verwenden. Was alt ist, ist ja nicht gleich schlecht. Im Gegenteil.”

 

Auch im Fortgang der Arbeiten wurde am „Fachwerk 1775“ weiter mit und auf Lehm gebaut, bis alle Wände komplett standen. Denn Putz und selbst die heute obligatorische Dämmung gibt es aus Lehm. Bewährtes aus der Vergangenheit gepaart mit den Ideen einer neuen Zeit: Was beim Umbau handfest mit Lehm praktiziert wird, passt gut zu der Philosophie der Begegnungsstätte, die hier entstanden ist. Denn hier können alle Generationen miteinander etwas erleben und voneinander lernen.

Lehm

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